Am Samichlaus sini Läbchüeche

Es war vor vielen Jahren, als ich noch jünger war und noch keine Schmutzlis hatte, am 5. Dezember. Ich stand in der Küche und hatte es streng. Ich backte die letzten Lebkuchen. Dazu brauchte ich Milch, Mehl, Backpulver, Zucker, etwas Öl, und Lebkuchengewürz. Ich musste mich beeilen, denn am nächsten Tag war Samichlaustag.

Eigentlich hätte ich mit dem Backen schon längst fertig sein sollen. Aber die ersten Lebkuchen waren misslungen, weil ich immer an die schöne Nicola denken musste. Nicola hatte einen kleinen Laden im Dorf. Bei ihr kaufte ich immer die Zutaten für die Lebkuchen. Am Samichlaustag vor einem Jahr hatte sie meine Lebkuchen gelobt und mich ganz lieb angelächelt. In diesem Jahr wollte ich die Lebkuchen noch besser machen. Aber vor lauter sich Mühe geben, hatte ich Salz statt Zucker in den Teig getan. Darum stand ich immer noch in der Küche und hatte ganz vergessen, dass ich noch andere Arbeit gehabt hätte. Zum Beispiel sollte ich den Esel füttern und den Schlitten bereitstellen.

Im Stall stand mein Esel. Er hatte Hunger und fror. Er dachte: «Warum kommt der Samichlaus solange nicht? Er muss mich doch füttern, mich tränken, mich striegeln, mich zudecken, meine Hufe reinigen, meine Mähne putzen und den Stall ausmisten.» Der Esel liess traurig seine langen Ohren hängen. Dann wurde er zornig. «Ich habe den Samichlaus so viel geholfen. Ich habe den Schlitten gezogen, ihm die schweren Säcke getragen und immer wieder auf den Samichlaus gewartet. Und jetzt vergisst er mich einfach und lässt mich verhungern. Das lasse ich mir nicht gefallen! Ich gehe weg.»

Der Esel wollte nicht länger beim Samichlaus bleiben. Er wollte sich einen schöneren Platz suchen. Er wusste schon, wohin er gehen wollte, direkt zur schönen Nicola. Sie hatte ihn beim letzten Einkauf so lieb gestreichelt und ihm eine grosses, dickes Rüebli zu fressen gegeben. Sie würde ihn bei sich aufnehmen, ihn nie vergessen und ihm ganz viel zu fressen geben.

Ich schob gerade das letzte Blech mit Lebkuchen in den Ofen. Der Schweiss tropfte von meiner Stirn und ich öffnete das Fenster. Da sah ich meinen Esel übers Feld galoppieren.

Ich rief ihm nach: «Eseli!» Doch der Esel hörte nichts. Also rannte ich zur Tür hinaus, dem Esel nach. In der Eile vergass ich aber, die hohen Stiefel anzuziehen. Bald waren meine dicken, wollenden Socken voll Schnee, und meine Füsse ganz kalt und nass.

Der Esel verschwand im Wald. Keuchend blieb ich stehen. Dann ging ich langsam zur Hütte zurück. Dicker, schwarzer Rauch kam aus dem Küchenfenster. «Oh Herrjemine!» Ich hatte die Lebkuchen ganz vergessen. Mit blossen Händen zog ich das Blech aus dem Ofen. Scheppernd fiel es zu Boden. «Ah! Oh!» Ich betrachtete seine Hände und hielt sie dann schnell unter das kalte Wasser. Die verkohlten Lebkuchen lagen verstreut auf dem Küchenboden herum.

Und jetzt? – Traurig setzte ich mich an den Küchentisch und zählte auf, was  heute alles schief gegangen war: Der Esel weggelaufen, die ersten Lebkuchen misslungen, die zweiten Lebkuchen verbrannt. – «HATSCHI!» – Und einen Schnupfen hatte ich mir auch geholt, als ich bei der Eselsverfolgung nasse Füsse bekam. Am liebsten hätte ich mich jetzt heulend ins Bett gelegt und etwas schönes geträumt. Aber morgen war Samichlaustag.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Draussen stand Nicola. Sie führte den Esel am Zügel. Sie sah die nassen Füsse, die rote Nase, die verkohlten Lebkuchen und die verbrannten Hände vom Samichlaus. Sofort schickte sie mich mit dicken warmen Socken, einen roten Halstuch und einer Bettflasche ins Bett. Ich sollte am nächsten Tag gesund sein. Oder was sollten die Kinder von einem Samichlaus mit fiebrigen Augen, einer laufenden Nase und einer heiseren Stimme denken? Und während ich erschöpft schlief, backte Nicola Lebkuchen. Sie benutzte dazu mein Rezept, aber sie rührte noch etwas Schokoladepulver in den Teig und verzierte die Lebkuchen mit einer süssen Zuckerglasur.

Am nächsten Tag war ich wieder gesund. Nicola half mir den Schlitten zu beladen und den Esel zu versorgen. An diesem Samichlaustag besuchten der Samichlaus und Nicola gemeinsam die Kinder und alle Kinder bekamen einen Lebkuchen, der noch nie so fein und so süss war.

Das war vor vielen Jahren. Seit damals gehört auch in mein Lebkuchenrezept etwas Kakaopulver. Ich denke immer gern an diesen Samichlaustag zurück. Aber heut bin ich froh, dass ich zwei so starke und treue Helfer habe und mich die Schmutzlis begleiten.

Hinweis

© Diese Geschichte wurde bearbeitet von der St. Niklausgesellschaft Dietikon.

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